Philosophie (Endgültige Fassung)Gustav Klimt · 1907
Tempera
Wandkunst
Jugendstil
1907
Moderne
430.0 x 300.0 cm
Gustav Klimt (1862 – 1918)
Österreichischer Symbolist, bekannt für schimmerndes Blattgold und mosaikartige Muster, die die weibliche Form in leuchtendem Glanz umhüllen.
Identifikation von Philosophie (Endgültige Fassung) von Gustav Klimt
Philosophie (Endgültige Fassung) ist ein Gemälde des österreichischen Künstlers Gustav Klimt. Das Werk fand im Jahr 1907 seinen vollendeten Zustand. Es entstand im Rahmen einer umfangreicheren Serie von Gemälden, die zwischen 1900 und 1907 für die Universität Wien in Auftrag gegeben wurden. Dieses spezifische Werk war ursprünglich für die Decke des Festsaals der Universität Wien vorgesehen.
Die Schöpfung dieses Werkes fiel in eine Phase bedeutender künstlerischer Entwicklung für Klimt. Es gehört zu der Gruppe der sogenannten Universitätspainings. Diese Werke waren Teil eines monumentalen Projekts zur Dekoration der architektonischen Räumlichkeiten der Institution. Die gewaltige Dimension der Komposition spiegelt dabei ihren ursprünglichen Zweck als Deckenfresko wider.
Die Komposition und ihre visuellen Elemente
Die Komposition des Werkes ist in zwei markante Hemisphären unterteilt. Auf der linken Seite bewegt sich eine Prozession nackter Figuren in einer ineinander verschlungenen und überlappenden Anordnung. Diese Gestalten repräsentieren den menschlichen Lebenszyklus, der sich von der Kindheit bis hin zum Alter entfaltet. Die Formen sind gelängt, was ein Gefühl fließender Bewegung über die gesamte Leinwand hinweg erzeugt. Im krassen Gegensatz dazu wird die rechte Hemisphäre von einer weiten, unendlichen Himmelslandschaft dominiert. Inmitten dieses Raumes ist eine kolossale Sphinx positioniert, die dem himmlischen Hintergrund eine geheimnisvolle Tiefe verleiht.
Am Fuße des Kunstwerks ist eine weibliche Gestalt namens Hygieia dargestellt. In einer Hand trägt sie den Kelch des Lethe, während sich die Äskulapische Schlange um ihren Arm windet. Sie ist so positioniert, dass sie der zentralen Figurengruppe den Rücken zukehrt. Nahe dem Zentrum ist eine weibliche Figur teilweise in Dunkelheit gehüllt. Diese Gestalt ist eingebettet in ein komplexes Geflecht aus Formen und Mustern, die das Auge des Betrachters in die Tiefe des Werkes ziehen.
Technik und künstlerische Materialien
Das Werk wurde auf einer Leinwand von 430 x 300 cm ausgeführt. Klimt nutzte Tempera, um die Komposition aufzubauen, wobei er das Medium gezielt einsetzte, um ein Gefühl von Tiefe und Textur zu erzeugen. Die Oberfläche weist Schichten von Blattgold auf, das akribisch über den strukturierten Bereichen aufgetragen wurde. Diese Methode verleiht der großformatigen Fläche einen schimmernden, visuellen Effekt, der das Auge des Betrachters fesselt.
Die Anwendung der Materialien folgt den Prinzipien des Jugendstils. Der Künstler verwendete organische Formen und fließende Linien, um die Figuren und den umgebenden Raum zu definieren. Das Zusammenspiel zwischen der matten Tempera und dem reflektierenden Blattgold erzeugt einen faszinierenden Kontrast in der Art und Weise, wie das Licht mit den verschiedenen Abschnitten des Gemäldes interagiert. Diese Technik betont die Oberflächenbeschaffenheit des Werkes und bewahrt gleichzeitig die strukturelle Integrität der langgestreckten menschlichen Formen.
Geschichte und Verlust des Originalwerks
Nach seiner ersten öffentlichen Präsentation wurde das Gemälde von August Lederer erworben. Das Werk verblieb in privater Hand, bis die dunklen Zeiten des Zweiten Weltkriegs anbrachen. In der finalen Phase des Konflikts wurde das Gemälde zum Schutz in das Schloss Immendorf, eine Burg in Niederösterreich, verbracht.
Es wird angenommen, dass die ursprüngliche Leinwand während des Rückzugs der SS-Truppen zerstört wurde. Diese Einheiten legten das Schloss Immendorf in Brand, was den unwiederbringlichen Verlust des Kunstwerks zur Folge hatte. Von dem eigentlichen Gemälde existieren heute keine physischen Überreste mehr. Lediglich vorbereitende Skizzen und eine fotografische Dokumentation sind als greifbare Zeugnisse für die Existenz des Werkes und seine spezifischen visuellen Details erhalten geblieben.
Dokumentierte Interpretationen und Debatten
Die Rezeption dieses Werkes war von erheblichen Spannungen innerhalb der österreichischen Kunstkreise geprägt. Kritiker verurteilten die Komposition häufig als sexuell provokativ und argumentierten, dass ihre Bildsprache für das akademische Umfeld einer Universität ungeeignet sei. Diese Beobachter beschrieben die zentrale Figurengruppe oft als eine traumartige Versammlung der Menschheit und deuteten die Anordnung eher als Darstellung eines „viskosen Vakuums“ denn als eine strukturierte philosophische Untersuchung. Diese Wahrnehmung von Ziellosigkeit und mangelndem Rationalismus stand in direktem Gegensatz zu den Erwartungen der akademischen Institutionen jener Zeit.
Der Künstler schuf jedoch einen spezifischen Rahmen für die symbolischen Elemente innerhalb der Komposition. Die linke Seite des Werkes soll den Verlauf der menschlichen Existenz darstellen, insbesondere den Beginn des Lebens, die Blütezeit und den Verfall. Im Gegensatz dazu ist die rechte Seite dazu gedacht, die Welt als eine Quelle des Mysteriums darzustellen. Aus dem unteren Teil der Leinwand erhebt sich eine Gestalt aus Licht, die das Konzept des Wissens verkörpern soll.
Die Debatte um das Werk war Teil eines größeren Spannungsfeldes zwischen der aufkommenden Moderne und den starren Vorgaben staatlich geförderter Kunst. Die Kontroverse führte letztlich dazu, dass sich der Künstler von öffentlichen Auftragsarbeiten zurückzog, da er seine künstlerische Praxis von den Beschränkungen der akademischen Zensur und der strengen Kontrolle durch öffentliche Amtsträger distanzieren wollte.
Verwandte Werke von Gustav Klimt
Die Deckenmalereien für die Universität Wien umfassen mehrere Meisterwerke, die eine tiefe thematische Verbindung zu diesem Werk aufweisen. Jurisprudence (Endgültige Fassung) und Medizin sind Teil derselben monumentalen Serie. Diese Gemälde entstanden im Rahmen des großangelegten Auftrags für den Festsaal der Universität. Ähnlich wie Philosophie (Endgültige Fassung) sahen sich auch diese Arbeiten zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts einer intensiven öffentlichen Debatte und kritischer Prüfung ausgesetzt.
Weitere Kompositionen aus der Ära des Künstlers, die durch eine opulente Ornamentik bestechen, sind etwa Die drei Lebensalter der Frau, welches im Jahr 1905 entstand. Dieses Werk entstammt jener Epoche, in der der Künstler seine ganz eigene Formensprache aus dekorativen Mustern und symbolischen Gestaltungen entwickelte. Zudem wurde Der Kuss zwischen 1907 und 1908 geschaffen – eine Zeitspanne, die unmittelbar auf den Abschluss der Projekte für die Universität Wien folgte.
Über dieses Kunstwerk
- Titel: Philosophie (Endgültige Fassung)
- Künstler: Gustav Klimt
- Jahr: 1907
- Originalmaße: 430.0 x 300.0 cm
- Format: Hochformat
- Urheberrechtlicher Status: Gemeinfreiheit
- Medium: Wandkunst
- Farbpalette: Erdig
- Hauptfarbe: Rosiges Braun
- Verwendungszweck: Akzentuierung
Eckdaten
- Medium: Öl auf Leinwand
- Artistic style: Jugendstil
- Artist: Gustav Klimt
- Subject or theme: Philosophie; menschlicher Lebenszyklus
- Location: Vernichtet
- Dimensions: 430 x 300 cm
Fragen und Antworten
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