Die Geschichte von Beningbrough Hall
In der Nähe des Dorfes Beningbrough in North Yorkshire, England, thront die Beningbrough Hall majestätisch über dem Fluss Ouse. Das heutige Bauwerk wurde im Jahr 1716 von John Bourchier III. errichtet, der beabsichtigte, das seit 1556 an diesem Ort befindliche elisabethanische Herrenhaus zu ersetzen. Dieses prachtvolle Barock-Anwesen durchlief im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Besitzer, darunter die Nachkommen der Bourchier-Familie, bevor es im Juni 1958 in die Obhut des National Trust überging. Diese Übernahme erfolgte, nachdem der Staat das Anwesen als Ausgleich für Erbschaftssteuern im Wert von 29.250 £ angenommen hatte.
Das Haus war Zeuge tiefgreifender Veränderungen in seiner Bestimmung und Besetzung. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude von der Royal Air Force und der Royal Canadian Air Force genutzt, konkret als Teil der 6. Gruppe des Bomber Command. Diese Ära der militärischen Besetzung bildet einen scharfen Kontrast zu seinem früheren Dasein als privates Landgut. Heute bleibt die Hall ein bedeutender Ort für all jene, die sich für die Kontinuität der englischen Geschichte des Landadels und die Bewahrung des häuslichen Lebens des 18. Jahrhunderts begeistern.
Architektur und Baugeschichte
Das heutige Herrenhaus, ein geschütztes Gebäude der Kategorie I, wurde im Jahr 1716 von John Bourchier III. errichtet. Dieser barocke Bau ersetzte ein älteres Herrenhaus aus der elisabethanischen Ära, das bereits 1556 von Sir Ralph Bourchier erbaut worden war. Unter der fachkundigen Aufsicht des lokalen Baumeisters William Thornton entstand ein Bauwerk, dessen Gestaltung tief von der Grand Tour des damaligen Besitzers geprägt ist. So fügte sich die von italienischer Architektur inspirierte Ästhetik harmonisch in die weite Landschaft von North Yorkshire ein.
Im Inneren bewahrt das Haus bedeutende historische Merkmale, die von vergangener Pracht zeugen. Die Interieurs sind geschmückt mit barocken Holzschnitzereien und Eisenarbeiten, die Robert Blakewell zugeschrieben werden. Diese kunstvollen Elemente prägen noch heute die Räumlichkeiten im Erdgeschoss und vermitteln ein lebendiges Gefühl des einstigen häuslichen Lebens innerhalb des Anwesens. Dabei wahrt die Architektur eine klare Trennung zwischen den geschichtsträchtigen Räumen im Erdgeschoss und den lichtdurchfluteten Ausstellungsflächen im ersten Stock.
Kunstsammlungen und Galerien
Die Innenräume der Hall bieten eine stille, fast meditative Kulisse für eine prachtvolle Sammlung von über hundert Porträts aus dem 18. Jahrhundert. In den Räumlichkeiten des Erdgeschosses begegnen uns eindrucksvolle Gestalten, die von Mitgliedern der Royal Family über einflussreiche Politiker bis hin zu Akteuren der National Gallery reichen. Die lichtdurchfluteten Salongalerien schaffen dabei ein ideales Ambiente, in dem diese Meisterwerke in genau jenem Kontext betrachtet werden können, für den sie einst geschaffen wurden. Ergänzt wird diese visuelle Reise durch exquisite orientalische Keramiken, die aus dem Ashmoleum Museum stammen und der Sammlung eine weitere kulturelle Tiefe verleihen.
Während das Erdgeschoss die Geschichte bewahrt, widmet sich das erste Stockwerk der lebendigen Gegenwart. In den Reddihough Galleries finden wechselnde Ausstellungen statt, die ständig neue Perspektiven in das Haus bringen. Das Spektrum reicht dabei von zeitgenössischen Werken bis hin zu traditioneller Kunst, wodurch ein fortwährender Dialog zwischen den Epochen entsteht. Diese Galerien ermöglichen einen fließenden Wechsel der Schwerpunkte, der sich mal etablierten Stilen und mal modernen Ausdrucksformen zuwendet.
- Philip Dormer Stanhope, 4th Earl of Chesterfield, um 1745 - George Knapton
- Edwyn Francis Scudamore-Stanhope, 10th Earl of Chesterfield, 1890 - Francisque Édouard Bertier
- Florence Jane Helen Wellesley, Lady Nunburnholme, OBE, 1887 - Edward Hughes
- The Children of John Taylor of Bifrons Park, 1696 - Johann Closterman
- The North Front of Beningbrough Hall, 1751 - John Joseph Bouttats
- Bourchier - John Vanderbank
Gärten und Außenanlagen
Das weitläufige Anwesen erstreckt sich über 380 Hektar der malerischen Landschaft von North Yorkshire, wobei die formellen Gärten eine prachtvolle Fläche von etwa 8 Hektar einnehmen. Diese Gartenanlagen sind in verschiedene, charaktervolle Welten unterteilt, die von einem geschützten, von Mauern umschlossenen Garten bis hin zu einem mediterranen Refugium reichen. Ein italienisch inspiriertes Bordbeet schmiegt sich an einen amerikanischen Garten an und schafft so ein faszinierendes Spiel aus unterschiedlichen Texturen und Strukturen innerhalb des Anwesens. Die heutige Gestalt dieser Gartenlandschaft ist maßgeblich durch die Vision von Andy Sturgeon geprägt, der die fortlaufende Neugestaltung der Umgebung mit großem Geschick vorantreibt.
Abseits der streng geordneten Pracht bieten die Ländereien auch sanftere, naturbelassene Rückzugsorte, wie einen gemeinschaftlichen Obstgarten und einen wilden Spielbereich für Entdecker. Ein geschwungener Pfad, der entlang des Flusses und durch die sanften Wälder führt, windet sich durch das gesamte Anwesen und eröffnet dabei immer wieder neue, unverbrauchte Perspektiven auf die natürliche Umgebung. Ein besonderes architektonisches Detail ist das sogenannte „Ha-Ha“ – eine versenkte Mauer, die die gepflegten Gartenanlagen subtil von der weitläufigen, wilderen Natur des Anwesens trennt und so eine elegante Grenze zwischen der kultivierten Domestizität und der ungezähmten Weite des Grundstücks zieht.
