Die Geschichte und Ursprünge von Cliveden
Cliveden ist ein englisches Landhaus und ein weitläufiges Anwesen, das auf einer Terrasse hoch über der Themse thront. Gelegen in Buckinghamshire an der Grenze zu Berkshire, wird das Anwesen heute vom National Trust gepflegt. Die Landschaft ist geprägt von weitläufigen Gärten und Wäldern, die den Blick auf den Fluss freigeben und sich über einen Grat der Chiltern Hills erstrecken.
Die Geschichte des Anwesens ist eine Geschichte des ständigen Wandels, geprägt von aufeinanderfolgenden Rekonstruktionen nach schweren Schicksalsschlägen. Das erste Herrenhaus wurde um 1674-7 von William Winde errichtet, doch dieses Bauwerk wurde 1795 durch ein verheerendes Feuer zerstört. Ein zweites, zwischen 1827 und 1830 von William Burn entworfener Palast ging 1849 ebenfalls in Flammen auf. Die heutige italienisch anmutende Villa wurde schließlich zwischen 1850 und 1851 für den Duke of Sutherland erbaut.
Gegen Anfang des 20. Jahrhunderts wandelte sich das Anwesen zu einem bedeutenden politischen und literarischen Zentrum. In dieser Ära empfing das Haus zahlreiche einflussreiche Persönlichkeiten, darunter den 2. Viscount Astor und seine Ehefrau Nancy Astor. Das Anwesen wurde zu einem zentralen Ort für gesellschaftliche und politische Zusammenkünfte, die den Diskurs dieser Epoche maßgeblich prägten.
Die Architektur der italienischen Villa
Die heutige, dreistöckige italienische Villa, die sich majestätisch über die Landschaft erhebt, wurde zwischen 1850 und 1851 für den Duke of Sutherland errichtet. Dieses prachtvolle Bauwerk ersetzte zwei frühere Herrenhäuser an diesem geschichtsträchtigen Ort – das erste, das um 1674 entstand, und ein zweites, das im Jahr 1827 hochgezogen wurde. Als denkmalgeschütztes Gebäude der höchsten Kategorie umfasst das Anwesen nicht nur das Haupthaus selbst, sondern auch die weitläufigen, verwunschenen Gärten und die angrenzenden Wälder. Es thront auf einer Terrasse, die hoch über dem glitzernden Thames liegt.
In den 1890er Jahren erlebte das Interieur eine tiefgreifende Transformation, als Frank Pearson im Auftrag von William Waldorf Astor die Gestaltung übernahm. Diese stilvollen Modifikationen brachten eine opulente, mit Holz vertäfelte Halle sowie ein privates Arbeitszimmer hervor. Besonders hervorzuheben ist das Esszimmer, das durch seine unverwechselbare Rokoko-Boiserien von Nicolas Pineau einen ganz eigenen, aristokratischen Charakter bewahrt hat. Diese architektonischen Juwelen sind stumme Zeugen des sich ständig wandelnden Geschmacks der aufeinanderfolgenden Bewohner dieses prachtvollen Anwesens.
Das Cliveden Set und die Sozialgeschichte
In den 1930er Jahren entwickelte sich Cliveden zu einem pulsierenden Zentrum für eine einflussreiche Gruppe britischer Persönlichkeiten, die als das sogenannte „Cliveden Set“ in die Geschichte eingingen. Im Mittelpunkt dieses exklusiven Kreises standen der 2. Viscount Astor und seine Ehefrau Nancy Astor. Als erste Frau, die ihren Sitz im Unterhaus bestritt, verlieh Nancy Astor den gesellschaftlichen Zusammenkünften auf dem Anwesen eine tiefgreifende politische Dimension. Das Haus wurde zu einem Schauplatz, an dem die politische und intellektuelle Elite zusammenkam und oft maßgeblich den Kurs der britischen Außenpolitik in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg mitgestaltete.
Das gesellschaftliche Leben des Anwesens erstreckte sich jedoch weit über die Politik hinaus in die literarischen und intellektuellen Sphären. Die Astors empfingen eine Vielzahl prominenter Gestalten, darunter Winston Churchill, Henry James und Rudyard Kipling. Diese Zusammenkünfte etablierten Cliveden als einen bedeutenden kulturellen Knotenpunkt im frühen 20. Jahrhundert. Die besondere Atmosphäre dieser hochklassigen Gesellschaftstreffen diente später als Inspiration für das fiktive Darlington Hall in dem Roman The Remains of the Day aus dem Jahr 1989.
Meisterwerke der Sammlung
Die Sammlung in Cliveden beherbergt bedeutende Porträts, die die Abstammung und die sozialen Verflechtungen dieses prachtvollen Anwesens widerspiegeln. Ein zentrales Werk ist das um 1908 entstandene Porträt von Mrs. Waldorf Astor (Nancy Langhorne) von John Singer Sargent, das die Eleganz einer Ära einfängt. Begleitet wird dieses Meisterwerk von Darstellungen bedeutender historischer Persönlichkeiten, darunter die im Jahr 1609 von Juan Pantoja de la Cruz geschaffene Darstellung von Maria Anna von Habsburg, Infantin von Spanien, spätere Erzherzogin von Österreich sowie Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches und Königin von Ungarn. Zu den weiteren bemerkenswerten Porträts zählen Peter Lely’s 1667 geschaffene Repräsentation von Lady Anna Maria Brudenell, Countess of Shrewsbury (1642-1702) sowie das Werk von François Jouvenet aus dem Jahr 1700, das ehemals als Louis-Auguste de Bourbon, duc de Maine (1670–1736) identifiziert wurde.
Die Bestände umfassen zudem Werke von Thomas Hudson, wie etwa seine Porträts von Augusta von Sachsen-Gotha und Frederick Louis. In der Galerie findet man zudem Hubert von Herkomer’s Porträt von William Waldorf Astor, das in einen Dialog tritt mit William Corden’s Darstellung von Lady Harriet Elizabeth Georgiana Howard, Duchess of Sutherland (1806 – 1868) aus dem Jahr 1849, welches nach dem Original von Franz Xaver Winterhalter angefertigt wurde.
