Ursprung und Geschichte des Museums
Die Grundsteine für das Kaiser-Wilhelm-Museum wurden durch das unermüdliche Engagement des Krefelder Museumsvereins gelegt. Seit 1883 sammelte diese Gruppe im Stillen Objekte und Gemälde, die schließlich ein dauerhaftes Zuhause benötigten. Im Jahr 1897 führte diese Ansammlung von Kunstwerken zur formellen Gründung des Museums. Die Institution war von Beginn an so konzipiert, dass sie sowohl als Bewahrungsort für die schönen und angewandten Künste diente als auch als Denkmal für Kaiser Wilhelm I. fungierte.
Der Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts brachte jedoch tiefgreifende Zäsuren in das Leben des Museums. Im Jahr 1942 sah sich die Institution aufgrund des Ausbruchs des Krieges gezwungen, ihre Türen zu schließen. Trotz der weitverbreiteten Zerstörung, die diese Ära prägte, blieb das Gebäude selbst vom Zweiten Weltkrieg unversehrt. Dieses Überdauern ermöglichte es dem Bauwerk, eine beständige Präsenz in Krefeld zu bleiben, selbst als sich seine inneren Funktionen zwischen der Beherbergung von Kommunalbehörden und der Bewahrung von Kunst verschoben.
Nach einer Phase der Schließung und einer anschließenden Modernisierung öffnete das Kaiser-Wilhelm-Museum im April 1969 wieder seine Pforten für die Öffentlichkeit. Diese Wiedereröffnung markierte ein neues Kapitel für die Institution und wandelte sie in einen Raum, der sich schließlich auf die Komplexität der modernen und zeitgenössischen Kunst konzentrierte. Das Museum bewahrt bis heute die Sammlungen, die von jenen frühen Vereinen aufgebaut wurden, und hält so eine Kontinuität aufrecht, die bis in das späte neunzehnte Jahrhundert zurückreicht.
Das Gebäude und seine Architektur
Am Karlsplatz, gelegen am Joseph-Beuys-Platz 1 in Krefeld, Deutschland, beherbergt das Kaiser-Wilhelm-Museum ein Bauwerk, das vom Architekten Hugo Koch entworfen wurde. Das Gebäude erfüllt dabei eine doppelte Bestimmung: Es dient sowohl als Museum als auch als Denkmal für Kaiser Wilhelm I. Seine architektonische Formensprache zitiert die Palastarchitektur der italienischen Renaissance und schafft so eine Präsenz, die tief in der historischen Tradition verwurzelt scheint. Dieses Ensemble ist als geschütztes Baudenkmal der Stadt Krefeld von bedeutendem Rang.
Um den stetig wachsenden Anforderungen gerecht zu werden, wurde die ursprüngliche Grundfläche des Gebäudes erweitert. Zwischen 1910 und 1912 wurden die Nord- und Sügelügel hinzugefügt, welche die Ausdehnung des Bauwerks maßgeblich vergrößerten. Diese Erweiterungen fügten sich harmonisch in das bestehende Design ein und formten den Komplex, wie wir ihn heute kennen. Später wurde der Eingang auf Bodenniveau neu positioniert, um ihn an den Platz anzupassen – eine bewusste Veränderung, die ein Gefühl der Offenheit und Zugänglichkeit vermitteln sollte.
Vielfältige Kunstsammlungen und Abteilungen
Die Sammlung spannt einen gewaltigen chronologischen Bogen, der Werke vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart umfasst. Inmitten dieser Mauern offenbart sich eine bedeutende Präsenz des 19. Jahrhunderts, die insbesondere durch Gemälde der Düsseldorfer Malerschule geprägt ist. Die Meisterwerke von Franz von Lenbach, Wilhelm Leibl, Johann Wilhelm Schirmer und Hans Thoma sind hier zu finden und gewähren einen tiefen Einblick in die spezifischen Nuancen ihrer jeweiligen Stile und Epochen.
Jenseits der großformatigen Leinwände pflegt das Museum eine beachtliche grafische Sammlung. Diese Abteilung beherbergt über 12.000 Zeichnungen, Drucke und Künstlerbücher, die ein detailliertes Zeugnis von technischer Präzision und experimenteller Formgebung ablegen. Zudem existiert eine spezialisierte internationale Plakatsammlung, die aus mehr als 1.000 Blättern besteht und die Evolution des Grafikdesigns sowie der visuellen Kommunikation eindrucksvoll widerspiegelt.
- Tableau no. XI, 1922 - Piet Mondrian
- Germania on Watch at the Rhine, 1860 - Lorenz Clasen
- Apples on white: with baskets, pewter and bunch of asparagus - Carl Schuch
Wichtige Erwerbungen und Schenkungen
Das Fundament der Museumssammlungen ruht auf der bedeutenden Kramer-Kollektion. Diese exquisite Zusammenstellung aus Möbeln, Skulpturen, Glasmalerei, Steinzeug, Gemälden und Waffen wurde ab dem Jahr 1850 in der niederrheinischen Region akribisch zusammengestellt. Albert Oetker, ein angesehener Krefelder Stadtrat, erwarb diese Sammlung und schenkte sie dem Kaiser-Wilhelm-Museum, um sicherzustellen, dass sie mit der Eröffnung des Hauses der Öffentlichkeit zugänglich war.
Bereits frühe Akquisitionen trugen maßgeblich zur Ausprägung des unverwechselbaren Charakters dieser Institution bei. Schon im Jahr 1900 legten sechsundzwanzig strategische Ankäufe den Grundstein für die heutige Plakatsammlung. In dieselbe Ära fällt auch die Einbringung der italienischen Renaissance in die Obhut des Museums, die durch das unermüdliche Engagement von Adolf von Beckerath ermöglicht wurde.
Die Sammlung bewahrt bis heute bedeutende Werke, die die lange Geschichte der musealen Aneignung widerspiegeln, darunter:
- Tableau no. XI, 1922 - Piet Mondrian
- Germania on Watch at the Rhine, 1860 - Lorenz Clasen
- Apples on white: with baskets, pewter and bunch of asparagus - Carl Schuch
Jüngste Projekte und Renovierungen
Die physische Entwicklung der Institution war stets von Zeiten tiefgreifender Transformation geprägt. Nach einer Schließung aufgrund allgemeiner Renovierungsarbeiten im Jahr 1960 begann 1966 eine neue Arbeitsphase, in der versucht wurde, den Raum für eine sich wandelnde Ära zu modernisieren. In jüngerer Zeit durchlief das Gebäude zwischen 2012 und 2016 eine grundlegende Sanierung. Diese umfassende Periode der strukturellen und ästhetischen Erneuerung bereitete das Museum auf ein neues Kapitel der Präsentation vor.
Der Abschluss dieser Arbeiten mündete am 2. Juni 2016 in der Eröffnung der ersten Sammlungsschau mit dem Titel „Das Abenteuer unserer Sammlung I“. Diese Ausstellung bot eine frische Perspektive auf die Bestände. Im Jahr 2022 schuf die Ergänzung des Café K+ einen neuen Raum innerhalb des Museums. Entworfen von Robert Stadler, fungiert das Café als ein Gesamtkunstwerk, das das zeitgenössische Design des Raumes mit der Textilgeschichte von Krefeld verwebt.
