Ursprung und Geschichte der Sammlung
Die Sammlung Scharf-Gerstenberg hat ihre Wurzeln in dem feinsinnigen Kunstgeschmack von Otto Gerstenberg (1848–1935). In seiner Funktion als CEO der Berliner Versicherungsgesellschaft Victoria-Versicherung kuratierte Gerstenberg zu Lebzeiten eine der bedeutendsten privaten Kunstsammlungen Deutschlands. In seinen frühen Sammelaktivitäten lag der Fokus vor allem auf den Alten Meistern.
Während des Zweiten Weltkriegs blieb die Sammlung nur teilweise erhalten. Die verbliebenen Werke wurden im Jahr 1961 an seine Enkel Walther und Dieter Scharf übergeben. Heute präsentiert die Sammlung Scharf-Gerstenberg ein faszinierendes Spektrum an Werken der Surrealisten und ihrer Wegbereiter.
Die Kunst des Surrealismus und der Phantastik
Im Zentrum der Sammlung steht die Kunst des Surrealismus und seiner Vorläufer. Über 250 Werke zeichnen die Geschichte der phantastischen Kunst nach und spannen einen Bogen über mehr als 250 Jahre. Rund 300 Gemälde, Skulpturen und Grafiken sind ausgestellt und repräsentieren die künstlerischen Visionen von über 50 Künstlern. Diese Auswahl beleuchtet die Entwicklung des Phantastischen vom späten 19. Jahrhundert bis hin zur Nachkriegszeit.
Die Hauptprotagonisten der surrealistischen Bewegung bilden das Herzstück des Bestandes. Die Sammlung umfasst Meisterwerke von Salvador Dalí, Max Ernst und René Magritte. Diese bedeutenden Stücke stehen in einem Dialog mit jenen Künstlern, die die Bewegung bereits vorwegnahmen, und weben so einen kontinuierlichen Faden in der Tradition der westlichen Kunst. Die Exponate umfassen dabei verschiedenste Medien, von grafischen Zyklen bis hin zu großformatigen Gemälden.
- Ein Paar Götter, 1924 - Paul Klee
- Die Schöne und das Biest, 1908 - Henri Rousseau
- Vergehen, 1940 - Paul Klee
- Der Heilige des inneren Lichts, 1921 - Paul Klee
- Das Beben der Kapelle, 1924 - Paul Klee
- Ein neues Spiel beginnt, 1930 - Paul Klee
Ausstellungen und Forschung
Die Sammlung wird unter dem Titel Surreal Worlds präsentiert. Diese Ausstellung erstreckt sich über zwei Etagen im östlichen Stülerbau und im Marstall gegenüber dem Schloss Charlottenburg. Die Inszenierung zeichnet die Geschichte der phantastischen Kunst durch Gemälde, Skulpturen und Arbeiten auf Papier nach. Das Programm geht jedoch über statische Objekte hinaus und integriert eine filmische Komponente. Diese Auswahl zeigt klassische surrealistische Filme von Luis Buñuel und Salvador Dalí. Zudem werden Filme zeitgenössischer Künstler gezeigt, die auf den Surrealismus Bezug nehmen oder dessen formale Mittel nutzen.
Forschung und öffentliches Engagement werden durch gezielte Programme lebendig gehalten. Die Institution veranstaltet Events wie „Eine überraschende Begegnung“, die frische Gegenüberstellungen von Werken von Künstlern wie Hans Bellmer, Hannah Höch, Dorothea Tanning und Jean Dubuffet präsentieren. Diese Darbietungen zielen darauf ab, die Verbindungen zwischen den verschiedenen in der Sammlung vertretenen Bewegungen hervorzuheben. Das filmische Programm bleibt dabei ein zentraler Bestandteil des institutionellen Angebots, indem es historische surrealistische Medien mit modernen künstlerischen Praktiken verknüpft.
