Die Geschichte und Ursprünge von Snowshill Manor
Snowshill Manor ist ein geschütztes Anwesen des National Trust, eingebettet in das malerische Dorf Snowshill in Gloucestershire, Vereinigtes Königreich. Die Präsenz dieses Anwesens in der Landschaft ist tief verwurzelt; bereits die erste schriftliche Erwähnung des Herrenhauses reicht bis in das Jahr 821 n. Chr. zurück. In dieser Ära schenkte König Coenwulf von Mercia das Land dem Kloster Winchcombe. Über mehrere Jahrhunderte hinweg blieb das Anwesen im Besitz des Klosters und war Teil dessen kirchlicher Ländereien, bis die Auflösung der Klöster im Jahr 1539 ein jähes Ende dieser Ära fand.
Mit der Auflösung der Klöster fiel der Besitz in königliche Hände. Im Jahr 1543 überließ König Heinrich VIII. das Anwesen als Teil seiner Mitgift seiner letzten Gemahlin, Katharina Parr. Diese Zeit der königlichen Verbindung markiert ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte des Hauses und schlägt eine Brücke zwischen seinen monastischen Ursprüngen und seiner späteren, häuslichen Geschichte. Das Herrenhaus selbst, wie es heute erscheint, bewahrt in seinen Grundmauern noch immer Teile, die aus dem sechzehnten Jahrhundert stammen.
Die moderne Ära des Anwesens begann, als Charles Paget Wade das Anwesen erwarb, was letztlich zu seiner Bewahrung für die Öffentlichkeit führte. Im Jahr 1951 wurden das Herrenhaus und sein gesamter Inhalt dem National Trust gespendet. Dieser Akt stellte sicher, dass das Haus und die unzähligen, kostbaren Objekte innerhalb seiner Mauern für kommende Generationen, die nach ihrer Schönheit suchen, unversehrt erhalten bleiben.
Die Architektur des Herrenhauses aus dem 16. Jahrhundert
Das Herrenhaus ist ein als Grade II* gelistetes Bauwerk, das aus dem charakteristischen lokalen Naturstein errichtet wurde. Seine Präsenz wird maßgeblich durch das Gewicht und die Textur dieses regionalen Materials bestimmt, welches das Gebäude fest in der Landschaft von Gloucestershire verankert. Der älteste erhaltene Teil des Anwesens wurde um das Jahr 1550 errichtet und bildet den historischen Kern dieses Landhauses aus dem 16. Jahrhundert. Diese ursprünglichen Abschnitte bilden das strukturelle Fundament, auf dem die spätere Geschichte des Gebäudes ruht.
Die Silhouette des Hauses hat sich über Jahrhunderte hinweg durch stetige Modifikationen stetig gewandelt. Um das Jahr 1720 wurden am südwestlichen Eck zusätzliche Räumlichkeiten angebaut, welche die Grundfläche des ursprünglichen Steinbaus erweiterten. Dieser Anbau veränderte die Symmetrie des Gebäudes grundlegend und schuf jene komplexe Anordnung von Räumen, die das Herrenhaus bis heute auszeichnet. Die Architektur bleibt somit ein physisches Zeugnis dieser aufeinanderfolgenden Schichten von Bewohnung und stetigem Wandel.
Die eklektische Sammlung von Charles Paget Wade
Die von Charles Paget Wade zusammengetragene Sammlung ist ein Zeugnis einer singulären Obsession für das Handgefertigte und das Kuriosum. Über 22.000 Objekte bevölkern das Herrenhaus, akribisch gesammelt mit einem unerschütterlichen Fokus auf Design, Farbe und meisterhafter Handwerkskunst. Dabei werden diese Schätze nicht bloß ausgestellt; sie sind vielmehr so in den Räumen arrangiert, dass sie eine tiefgreifende dekorative Wirkung entfalten. Die Komposition umfasst eine Vielzahl an Musikinstrumenten, Uhren und Spielzeugen, die den Räumen Leben einhauchen. Zu den besonders exzellenten Akquisitionen zählen zudem 26 Rüstungen japanischer Samurai, die aus dem 17. und 19. Jahrhundert stammen und die Welt des Exotischen in das Haus holen.
Ein besonderes Augenmerk gilt dabei dem Mechanischen und dem Miniaturhaften. Mechanische Türklingeln und ein im Miniaturformat gehaltenes Dorf verleihen dem Haus ein Gefühl von Maßstab und Bewegung. Die Sammlung besticht zudem durch sogenannte „Bone-Shaker“-Fahrräder und eine vielfältige Auswahl an Masken. Diese Objekte, die das Spektrum vom Alltäglichen bis zum Außergewöhnlichen abdecken, wurden oft in Antiquitätenläden oder über spezialisierte Händler entdeckt – getrieben von dem tiefen Wunsch, Dinge zu bewahren, die andernfalls in Vergessenheit geraten oder verloren gegangen wären.
- Stillleben mit Früchten, 1635 - Jacques Linard
- Interieur mit einer Frau, einem Kind und einer Magd, 1715 - Richard Van Bleeck
- Charles Paget Wade (1883 - 1956), im Alter von 27 Jahren, 1910 - Elizabeth Wentworth Roberts
Die Gärten im Arts-and-Crafts-Stil
Die Gärten von Snowshill Manor sind ein lebendiges Zeugnis der bewussten Gestaltung durch Charles Wade und M. H. Baillie Scott, die zwischen 1920 und 1923 gemeinsam die Landschaft formten. Diese im Arts-and-Crafts-Stil gehaltene Anordnung lässt den Wohnraum des Hauses sanft in die umliegende Landschaft von Gloucestershire übergehen. Die Gestaltung folgt dem Konzept einer Abfolge von Freiluftzimmern, die durch eine harmonische Sequenz von Terrassen und Teichen ein Gefühl von Geborgenheit und Intimität schaffen. Jeder dieser Räume entfaltet eine ganz eigene, unverwechselbare Atmosphäre, die durch ihren spezifischen Zweck und ihre besondere Formgebung definiert wird.
Jenseits der formal angelegten Terrassen offenbart das Anwesen eine reiche Vielfalt an funktionalen und dekorativen Elementen. Ein antikes Taubenhaus ruht inmitten des üppigen Grüns, während ein detailgetreues Miniaturdorf dem Betrachter ein faszinierendes Gefühl für Maßstäbe vermittelt. Die Landschaft wird ergänzt durch einen Nutzgarten, Obstplantagen und kleine Weideflächen, auf denen Schafe grasen. All diese Elemente sind meisterhaft in das Gesamtkonzept integriert, sodass der Übergang vom strukturierten Anwesen zur weiten, offenen Cotswold-Landschaft als ein fließender, fast schon natürlicher und doch zutiefst bewusster Prozess erscheint.
Die theatralischen Räume des Herrenhauses
Das Innere des Herrenhauses entfaltet sich wie eine Abfolge kuratierter Welten, von denen jede durch die ganz persönliche Vision von Charles Wade geprägt ist. Anstatt einem konventionellen häuslichen Grundriss zu folgen, sind die Räume nach Namen geordnet, die ein tiefes Gefühl für Drama und Fantasie heraufbeschwören. Diese Räume – darunter Dragon, Nadir, Ann's, Music, Seraphim, Mermaid, Hundred Wheels und Zenith – bieten jeweils einen eigenen Rahmen für die darin versammelten Schätze und verwandeln das Haus in eine Bühne für seine vielfältigen Leidenschaften.
Im Zenith-Raum wandelt sich die Atmosphäre hin zu einer intimen Geborgenheit, verstärkt durch die Präsenz von Granny Spencers Kabinett. Diese besondere Namensgebung setzt sich bis in die obersten Etagen des Hauses fort. So beherbergt der Dachboden, bekannt als Hundred Wheels, eine ganz eigene Sammlung von „Bone-Shaker“-Fahrrädern und Schaukelpferden. Diese Objekte, die einst Teil der alltäglichen Dynamik einer vergangenen Ära waren, werden hier in einem Raum bewahrt, der ihre Form und ihre handwerkliche Meisterschaft würdigt.
Die Anordnung dieser Räume zeugt von dem tiefen Wunsch, durch die behutsame Platzierung der Exponate eine vollendete dekorative Wirkung zu erzielen. Die Auswahl der Objekte in jedem einzelnen Raum folgt dabei drei essenziellen Kriterien: Design, Farbe und Handwerkskunst. Diese methodische Ästhetik stellt sicher, dass die Räume trotz der eklektischen und vielgestaltigen Natur der ausgestellten Stücke eine harmonische und geschlossene Einheit bilden.
Die Kostamensammlung und ihre Ausstellungen
Kostüme nahmen einen bedeutenden Platz in der Gesamtheit der von Charles Wade zusammengetragenen Objekte ein. Seine Faszination für diese Stücke erwachte bereits im Jahr 1901, als er gerade achtzehn Jahre alt war. Mit einer bemerkenswerten Intensität schätzte er das Alltägliche und Gewöhnliche ebenso sehr wie seltene und kostbare Raritäten. Diese Vorliebe für das Funktionale und Historische verlieh seiner Sammlung eine Seele; sie wirkte nicht bloß wie ein bloßes Exponat, sondern fühlte sich lebendig und bewohnt an. So wurden die Kleidungsstücke oft zu einem integralen Bestandteil der spielerischen und theatralischen Atmosphäre, die das gesamte Anwesen durchzieht.
Die Kostüm-Ausstellung des Jahres 2026 lenkt den Blick mit der Präsentation „Threads of Identity“ ganz gezielt auf diesen Bestand. Diese Ausstellung umfasst acht neue Exponate, die direkt aus der Sammlung entnommen wurden. Diese Ergänzungen gewähren einen tieferen Einblick in den unverwechselbaren Stil und die persönliche Leidenschaft, die den Erwerb solcher Objekte vorantrieben. Die Präsenz dieser Gewänder schafft eine greifbare Verbindung zur vielfältigen Geschichte der Schätze, die in den Mauern des Hauses gehütet werden.
