Ursprung und Geschichte des Vorarlberg Museum
Die Geschichte des Vorarlberg Museum nahm ihren Anfang im Jahr 1857 durch das engagierte Wirken eines privaten Vereins. Diese Gruppe setzte sich mit leidenschaftlichem Einsatz dafür ein, das kulturelle Erbe der Region zu sichern und den Export bedeutender Kunstschätze zu verhindern. Bereits im Jahr 1860 öffnete das Museumsgebäude seine Pforten für die Öffentlichkeit. Von seinen frühesten Tagen an fungierte die Institution als zentraler Ort für die Sammlung und die Bewahrung des Kunst- und Kulturguts des Bundeslandes.
Mit dem stetigen Wachstum der Sammlungen wurde die Notwendigkeit für größere Räumlichkeiten immer deutlicher spürbar. Im Jahr 1905 wurde ein neues, hochmodernes Museumsgebäude eingeweiht, das den wachsenden Anforderungen gerecht wurde. Diese Entwicklung ermöglichte einen zeitgemäßen Umgang mit der stetig steigenden Zahl an Artefakten. In der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts vollzog die Institution eine bedeutende Wandlung: Zwischen 1947 und 1948 wurden die Sammlungen sowie das Museumsgebäude in das Eigentum des Vorarlberger Landes übertragen.
Das Gebäude und seine Architektur
Das heutige Bauwerk ist Ausdruck einer bedeutenden architektonischen Evolution und wurde durch ein umfassendes Redesign der Cukrowicz Nachbaur Architekten grundlegend neu definiert. Diese moderne Interpretation verdoppelte die bisherige Grundfläche im Zuge eines Bauprojekts, das im Jahr 2009 seinen Anfang nahm. Die Außenhülle besticht durch eine außergewöhnliche Textur: Die Fassade ist mit 16.656 Blüten geschmückt – dekorative Elemente, die als Betonabgüsse aus den Böden von PET-Flaschen geformt wurden. Diese feinen Details verleihen der Oberfläche eine repetitive, fast organische Qualität, die das Gebäude mit der Natur in Einklang bringt.
Im Inneren lenkt die Architektur den Blick behutsam auf die umgebende Naturlandschaft. Ein großzügiges Panoramafenster eröffnet einen beständigen Ausblick auf den Bodensee und schafft so eine tiefe Verbundenheit zwischen dem musealen Innenraum und der Geografie der Region. Das Erleben des Gebäudes wird durch eine Treppenanlage geprägt, die aus edlen Eichenholzstufen und Messinggeländern besteht. Das subtile Zusammenspiel von warmem Holz und kühlem Metall erzeugt eine ganz eigene, haptische Präsenz. Dieser Raum ist ein Ort der Kontemplation, an dem das Licht und die Weite der Aussicht die zentralen Akteure des musealen Erlebnisses bleiben.
Wichtige Sammlungen und künstlerische Schwerpunkte
Das Museum beherbergt eine gewaltige Ansammlung von 150.000 Artefakten, die sich primär um die materielle Geschichte Vorarlbergs drehen. Diese Sammlung spannt den weiten Bogen der menschlichen Präsenz in der Region auf, von archäologischen Funden bis hin zu den feinen Nuancen des Brauchtums. Die Präsenz dieser Objekte schafft eine greifbare Verbindung zur Vergangenheit des Gebiets, die von der antiken römischen Ära über das Mittelalter bis hin in die Moderne reicht.
Besonders bedeutsam sind die künstlerischen Bestände, die eine ganz eigene Sammlung von Werken Angelika Kaufmanns sowie eine Auswahl an gotischer Kunst präsentieren. Die Gemäldesammlung des Museums umfasst die Epochen des Barock und des 19. Jahrhunderts und bietet so einen tiefen Einblick in die Evolution der regionalen Ästhetik. Jenseits der Leinwand umfasst die Sammlung Zeichnungen, Skulpturen und abstrakte Kunst sowie verschiedene fotografische Arbeiten. Diese Stücke existieren als physische Zeugnisse sich wandelnder visueller Sprachen.
- Stehende weibliche Nackte (Ilse), um 1925 - Rudolf Wacker
- Dame mit Haube, 1850 - Gebhard Flatz
- Der Ruf, 1920 - Hans Bertle
- Alcestis - Angelica Kauffmann
- Fabrikgebäude Wilhelm Benger & Söhne, 1890 - Josef Boss
Ausstellungen und Forschung
Das Museum betreibt eine tiefgreifende Forschung zur Geschichte Vorarlbergs, mit dem Ziel, die vielschichtigen historischen und kulturellen Ebenen dieser Region zu entschlüsseln. Diese wissenschaftlichen Untersuchungen bleiben dabei nicht den akademischen Zirkeln vorbehalten, sondern werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So tragen die Erkenntnisse maßgeblich zu einem gemeinsamen Verständnis der lokalen Vergangenheit bei. Durch dieses leidenschaftliche Engagement für die Wissensvermittlung schlägt die Institution eine Brücke zwischen archäologischen Funden und den gelebten Erfahrungen jener Menschen, die diese Gegend einst bewohnten.
Die aktuellen Ausstellungen werfen einen fokussierten Blick auf die römische Präsenz in der Region. Die Schau „Weltstadt oder so? Brigantium im 1. Jh. n. Chr.“ untersucht den antiken Vorläufer von Bregenz und öffnet ein Fenster in das Leben einer kosmopolitischen Stadt im ersten Jahrhundert nach Christus. Ergänzt wird dies durch die Ausstellung „Römer oder so? Eine Ausstellung zum Gräberfeld in Brigantium“, welche die antiken Begräbnisplätze der Region erforscht. Mithilfe von archäologischen Funden und modernen 3D-Projektionen gelingt es diesen Exponaten, die römische Ära in eine greifbare, lebendige Präsenz zu verwandeln.
Doch das Museum blickt weit über die Antike hinaus und widmet sich auch zeitgenössischen menschlichen Erfahrungen. Die Ausstellung „Ganznah. Landläufige Geschichten vom Berühren“ setzt sich mit den Themen Berührung und Nähe auseinander, erzählt durch die Linse lokaler Erzählungen. Ein solches kuratorisches Programm stellt sicher, dass das Museum ein Ort bleibt, an dem sowohl die ferne Vergangenheit als auch die unmittelbaren, haptischen Realitäten der menschlichen Existenz mit höchster Präzision untersucht werden.
